Der Volksmund überliefert, dass auf diesem aussichtsreichen Platz eine der ältesten Taufkirchen der ganzen Umgebung stand. Heute steht die Pfarrkirche St. Peter über einer noch älteren Anlage aus vorromanischer Zeit (lombardisch-karolingischer Stil) und ist ein seltenes Beispiel einer Kreuzkuppelkirche mit Langhaus und Seitenschiffen.
1287 hat Graf Meinhard II. von Tirol das Patronat dem Zisterzienserstift Stams im Oberinntal übertragen. Bis heute gehört St. Peter zur Seelsorge dieses Stifts. Unter Meinhard wurde der karolingisch-lombardische Bau umgestaltet, weitere Veränderungen wurden in gotischer Zeit vorgenommen. Die Kirche besitzt mehrere kostbare romanische und gotische Wandgemälde. Besonders gut erhalten ist das Brustbild des heiligen Paulus aus dem 11. Jahrhundert im südlichen Seitenschiff.
Geschichte
Der
Voksmund überliefert, dass auf diesem aussichtsreichen Platz eine der
ältesten Taufkirchen der ganzen Umgebung stand, die wie ähnlich alte
Kirchen dem hl. Petrus geweiht war. Die Bauart, die sich im Laufe der
Jahrhunderte veränderte, erinnert an St. Prokulus im Vinschgau. 1287
erwarb Graf Meinhard II. von Görz-Tirol das Patronat und übertrug es dem
Zisterzienserstift Stams, das er und seine Gemahlin Elisabeth, 1273
gegründet hatten. Die Gräfin wollte in Stams eine Erinnerungsstätte
schaffen für ihren unglücklichen Sohn, der am 20. Oktober 1268 in Neapel
enthauptet worden war. Meinhard hatte aber vermutlich mehr
landespolitische Absichten und bestimmte das Stift zur Grablege der
Tiroler Landesfürsten. St. Peter gehört trotz der inzwischen gezogenen
Staatsgrenze bis zum heutigen Tag der Seelsorge des Stiftes Stams.
Baugeschichte
Der Bau steht heute über einer noch älteren quadratischen Anlage aus
vorromanischer Zeit und ist ein seltenes Beispiel einer
Kreuzkuppelkirche mit Langhaus und Seitenschiffen. Dem nördlichen
Seitenraum ist die Taufkapelle (heute Sakristei) und über ein
Chorquadrat die Nebenapsis angeschlossen und wurde wahrscheinlich erst
in romanischer Zeit eingewölbt. Die altertümliche Bauweise ist typisch
für den lombardisch-karlingischen Stil und erfuhr 1290 durch Meinrad II.
nach seiner Klostergründung weitere Umbauten wie das jetzige
Tonnengewölbe und die Turmerhöhung; wahrscheinlich auch die Gestaltung
der heutigen Hauptapsis, deren Krypta nur mehr angedeutet ist; auch das
später angebaute nördliche Langhaus mit leichter Spitztonne. Das
Spitzbogenportal mit deutlichen Steinmetzzeichen um 1465 sowie die
einheitliche Überdachung fallen in die gotische Zeit.
Fresken
Aus
der romanischen Stilepoche ist im südlichen Seitenschiff das Brustbild
des hl. Paulus trefflich erhalten (11. Jh.). Ausvorgotischer Zeit
stammen die Malereien der Apsisbasis mit Sonnenrädern sowie das
hoheitsvolle Außenwandfresko, Christus mit den Apostelfürsten
darstellend (Paulus erhält die Gesetzesrolle). Spätromanisch ist dort
auch das Bild mit de, Erzengel Michael mit Seelenwaage und der deutlich
sichtbaren Hand Gottes, die diese hält (Ende 13. Jh.). Gotisch sind
hingegen die anderen Gemälde der Außenwand und die Verkündigungsszene im
Nebenschiff sowie die Chormalerei mit Christus in der Mandorla und den
Aposteln. In den letzten Jahren wurde der Baugründlich saniert und der
Grabungsbefund in Bildern festgehalten. Er war leider nicht der erste,
wird aber sicher nicht der letzte sein, denn dieses Heiligtum hütet noch
einige Geheimnisse.